FACHARTIKEL · EMOTIONALES ESSEN
Emotionales Essen ist Essen, das nicht aus körperlichem Hunger entsteht, sondern als Reaktion auf Gefühle, Stress, Anspannung oder Leere. Es ist meist kein Disziplinproblem, sondern ein Lösungsversuch: Essen verändert kurzfristig einen inneren Zustand, den dein System gerade nicht anders regulieren kann. Nachhaltig verändert es sich nicht durch Verbote oder mehr Kontrolle, sondern wenn Körper, Nervensystem und Emotionen gleichzeitig versorgt werden, sodass das Essen seine Funktion verliert und du wieder eine echte Wahl hast.
Aktualisiert September 2026 · Ca. 12 Min. Lesezeit
Geschrieben von Natascha Wilms, psychologische Ernährungsberaterin und Emotionscoachin, gemeinsam mit dem Team von Chainless Woman, auf Basis von über 900 Begleitungen. Dieser Text ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung.
Emotionales Essen bedeutet, dass Essen neben der körperlichen Versorgung noch eine weitere Funktion übernimmt. Es kann beruhigen, belohnen, ablenken, Spannung reduzieren oder dabei helfen, unangenehme innere Zustände für einen Moment weniger stark wahrzunehmen.
Vielleicht weißt du längst, dass du bei Stress isst. Du weißt, dass der Weg zum Kühlschrank am Abend nichts damit zu tun hat, dass deinem Körper um 21:30 Uhr plötzlich Schokolade fehlt. Du hast verstanden, dass du dich besser abgrenzen müsstest und weniger funktionieren solltest. Vielleicht warst du schon in Therapie, hast Bücher gelesen, Journaling gemacht, Atemübungen probiert.
Trotzdem kommt dieser Moment: Der Tag war anstrengend, die Kinder sind im Bett, es gab Streit. Oder es ist gar nichts Besonderes passiert. Du stehst in der Küche und merkst: „Ich will essen. Jetzt.“ Und leise im Hinterkopf die Stimme: „Warum schon wieder? Ich weiß es doch besser.“
Genau hier beginnt eines der größten Missverständnisse rund um emotionales Essen.
Essen kann beruhigen, trösten, Spannung dämpfen. Es kann sich wie eine Belohnung anfühlen, wie der eine Moment, in dem du loslässt, zumindest kurz, bis das schlechte Gewissen kommt. Essen kann die Leere nach einem langen Tag füllen. Es kann der einzige Moment sein, in dem du, nachdem du seit dem Morgen funktioniert hast, nicht mehr funktionieren musst.
„Was versucht dein System mithilfe dieses Essens für dich zu lösen? Und was hält diesen Impuls heute noch aufrecht?“
Deshalb ist unsere zentrale Frage bei Chainless Woman nicht „Wie bekommen wir dieses Verhalten weg?“, sondern: „Was versucht dein System mithilfe dieses Essens für dich zu lösen? Und was hält diesen Impuls heute noch aufrecht?“
Denn erst wenn wir das verstehen und versorgen, kann sich das Essverhalten verändern. Ohne Kampf und ohne „durchziehen“.
Als emotionales Essen wird Essen bezeichnet, das durch emotionale Zustände mit ausgelöst oder beeinflusst wird und nicht ausschließlich durch körperlichen Hunger. Essen hilft dann kurzfristig, einen unangenehmen inneren Zustand zu verändern. Die Forschung betrachtet emotionales Essen zunehmend als eine Form der Emotionsregulation.
Meine Beobachtung aus 10 Jahren Coachingpraxis: Es ist eher Kompensation statt echter Regulation.
Das heißt nicht, dass du nicht mit Gefühlen umgehen kannst. Und es heißt nicht, dass jedes emotionale Essen ein Problem ist. Natürlich darfst du aus Genuss essen, und ein Geburtstag darf Kuchen haben, obwohl niemand ausgehungert am Tisch sitzt.
Die entscheidende Frage ist
Wie frei bist du dabei? Kannst du dich entscheiden? Oder entsteht immer häufiger das Gefühl „Ich kann gerade gar nicht anders“?
Wenn eine Frau seit Jahren emotional isst, klingt die naheliegende Lösung logisch: besserer Ernährungsplan, andere Einkäufe, Mahlzeiten vorbereiten, keine Schokolade mehr im Haus, mehr Disziplin.
Das kann kurzfristig helfen. Wenn bestimmte Lebensmittel nicht da sind, verändert sich das sichtbare Verhalten. Aber eine Frage bleibt offen: Was passiert mit dem inneren Zustand, für den das Essen vorher die Lösung war?
Wenn Essen dir geholfen hat, nach einem überfordernden Tag herunterzufahren, verschwindet die Überforderung nicht dadurch, dass der Schrank leer ist. Wenn Essen Wut dämpft, verschwindet die Wut nicht mit dem Ernährungsplan. Und wenn du mit Essen den ersten ruhigen Moment des Tages erzeugst, löst ein Kaloriendefizit das oft daraus entstehende Gewichtsproblem nicht. Es kann es sogar verschärfen.
Deshalb unterscheiden wir zwischen dem sichtbaren Verhalten und seiner Funktion. Das Verhalten lautet: Ich esse. Die wichtigere Frage lautet: Warum braucht mein System dieses Essen gerade jetzt?
Viele Frauen, die zu uns kommen, sagen: „Ich bin einfach nicht diszipliniert genug.“ Dann schauen wir auf ihr restliches Leben. Sie führen Teams, organisieren Familien, halten Termine, funktionieren an Tagen, an denen ihr Körper längst nach Ruhe verlangt. Und ausgerechnet beim Essen soll die ganze Fähigkeit zur Disziplin verschwunden sein?
Wir sehen bei emotionalem Essen erstaunlich oft nicht zu wenig Kontrolle, sondern sehr viel. Den ganzen Tag. Bedürfnisse werden kontrolliert, Wut wird geschluckt, Erschöpfung übergangen, Pausen verschoben. Irgendwann lässt diese Kontrolle nach. Dann wird gegessen. Und danach lautet die Lösung wieder: noch mehr Kontrolle.
Daraus entsteht ein Kreislauf: Anspannung, dann Essen, dann Schuld, dann noch mehr Kontrolle, dann noch mehr Anspannung, dann der nächste Impuls. Emotionales Essen mit genau der Strategie lösen zu wollen, die schon den halben Alltag bestimmt, sich noch besser zusammenzureißen, führt oft tiefer hinein statt heraus.
Wie sich aus genau dieser Mischung aus Kontrolle, Verzicht und anschließendem Kontrollverlust ein immer wiederkehrender Kreislauf entwickeln kann, liest du im Artikel Wie durchbreche ich den Diätkreislauf und den Jojo-Effekt?
Das hören wir ständig. Und die meisten Frauen mit emotionalem Essen haben tatsächlich kein Wissensproblem. Sie wissen, dass sie bei Stress essen, dass sie es allen recht machen wollen, dass ihre Kindheit sie geprägt hat. Sie können ihre Muster oft besser erklären als mancher Ratgeber. Trotzdem sind die Muster noch da.
Etwas zu verstehen ist nicht dasselbe, wie es verändert zu haben.
Das ist kein Widerspruch, denn etwas zu verstehen ist nicht dasselbe, wie es verändert zu haben. Du kannst wissen „Ich darf Nein sagen und Pause machen“, und dein Körper spannt sich trotzdem an, sobald du versuchst, dich abzugrenzen. Du kannst wissen „Ich brauche die Schokolade nicht“, und den Impuls trotzdem stark spüren. Der Kopf hat verstanden. Die Reaktion darunter hat noch keine neue Erfahrung gemacht.
Diesen Unterschied vertiefen wir im Artikel Warum weiß ich alles über Ernährung und ändere trotzdem nichts?
Essverhalten läuft nicht nur über bewusstes Denken. Die Forschung unterscheidet seit Langem zwischen bewussten, zielgerichteten Prozessen und automatisierten, impliziten (Aulbach, Knittle & Haukkala 2019). Unter Stress verschiebt sich unser Verhalten zusätzlich weg von der bewussten Steuerung hin zu gelernten Gewohnheiten (Schwabe & Wolf 2011).
Das erklärt ein Phänomen, das viele Frauen kennen: Morgens denkst du „Heute achte ich auf mich“. Abends ist dein System erschöpft, und die Schokolade fühlt sich viel stärker an als der Vorsatz von 8 Uhr. Dein Verstand ist nicht ausgeschaltet. Aber Verhalten entsteht aus mehr als rationalem Wissen.
Dazu kommt das Nervensystem. Emotionen sind nichts rein Gedankliches, sie laufen körperlich ab: Herzschlag, Atmung, Muskelspannung, Aufmerksamkeit. Wenn Essen über Jahre genutzt wurde, um solche Zustände zu verändern, wird es zu einer schnell verfügbaren Regulationsstrategie. Dann läuft kein Abwägen mehr ab. Du spürst den Sog und stehst am Süßigkeitenschrank.
Deshalb reicht „Atme stattdessen 5-mal tief durch“ bei tief eingeübten Mustern selten. Atmung, Bewegung und Regulationstechniken können helfen. Aber die nächste Frage ist wichtiger: Warum gerät dein System überhaupt immer wieder in diesen Zustand? Wer sich jeden Tag übergeht und danach reguliert, lernt, sich zu beruhigen, nicht, sich nicht mehr zu übergehen. Wie Anspannung und Sicherheit darüber entscheiden, was beim Essen möglich ist, liest du im Artikel Nervensystem und Essverhalten: Wie hängen sie zusammen?
Ein Muster begegnet uns besonders häufig. Eine Frau sagt: „Mit Wut habe ich kein Thema.“ Dann erzählt sie, dass sie schlecht Nein sagt, Konflikte sie nervös machen, sie mehr übernimmt, als sie will, ihren Ärger nicht zeigt und lächelt, obwohl sie wütend ist. Und abends isst sie. Die Frage ist: Was passiert mit all den Impulsen, die tagsüber keinen Ausdruck bekommen?
Die Forschung findet hier Zusammenhänge. Emotionsunterdrückung hängt mit emotionalem Essen und Überessen zusammen (Ferrer et al. 2017; Wolz, Biehl & Svaldi 2021). Auch unsichere Bindungserfahrungen, also wie früh auf unsere Gefühle und Bedürfnisse reagiert wurde, sind mit stärkerem emotionalem Essen verbunden, wobei Schwierigkeiten in der Emotionsregulation ein vermittelnder Faktor sind (Faber, Dubé & Knäuper 2018; Nader et al. 2025).
Das ist kein Beweis für eine einfache Ursache, und wir suchen nicht zwanghaft nach einer schwierigen Kindheit. Aber wenn ein Essmuster immer wieder in Beziehungssituationen anspringt, wäre es ein blinder Fleck, das auszuklammern. Und auch hier gilt: Zu verstehen, warum dir Grenzen schwerfallen, bringt beim nächsten Konflikt noch kein Nein hervor. Dafür braucht es neue Erfahrungen, nicht nur Analyse. Mehr dazu in den Artikeln Wenn du dich überisst, statt dich abzugrenzen und Was die Mutterwunde und die Vaterwunde mit emotionalem Essen zu tun haben.
Genauso einseitig wie „Reiß dich zusammen“ ist der Satz „Jeder Essimpuls hat eine emotionale Ursache“. Vielleicht isst du abends nicht, weil dein inneres Kind Trost braucht, sondern weil dir über den Tag schlicht Energie und Nährstoffe gefehlt haben. Dann hat der starke Impuls am Abend eine körperliche Komponente.
Warum gerade am Abend körperliche Unterversorgung, Anspannung und Kontrolle zusammenkommen können, erklären wir ausführlicher im Artikel Warum kann ich abends nicht aufhören zu essen?
Die wichtige Frage
Ist das gerade wirklich nur emotionaler Essdrang, oder ist dein Körper nicht ausreichend versorgt?
Deshalb gehört zu seriöser Arbeit mit emotionalem Essen immer auch die Frage: Ist das gerade wirklich nur emotionaler Essdrang, oder ist dein Körper nicht ausreichend versorgt? Genau darum trennen wir bei Chainless Woman Ernährung und psychologische Arbeit nicht. Körper und Psyche sind ein System.
Über viele Einzelbefunde hinweg zieht sich ein roter Faden: Emotionsregulation. Eine Meta-Analyse aus 40 Studien mit über 14.000 Menschen fand einen moderaten Zusammenhang zwischen Schwierigkeiten in der Emotionsregulation und emotionalem Essen, deutlich beim Essen als Reaktion auf belastende Gefühle, nicht beim genussvollen Essen (Mendia et al. 2026).
Psychologische Interventionen können emotionales Essen im Mittel senken, auch wenn die genauen Wirkmechanismen noch offen sind (Power et al. 2025). Kognitive Verhaltenstherapie ist wirksam, besonders bei Binge-Eating, mit einer Remissionsrate von rund 50 Prozent, höher als bei anderen Essstörungen, aber eben nicht bei allen. Die Autoren diskutieren ausdrücklich, dass ein Teil der Betroffenen zusätzliche Ansätze braucht (Moberg et al. 2021). Für Menschen mit stark ausgeprägtem emotionalem Essen empfiehlt die Forschung, nicht auf kalorienreduzierte Diäten zu setzen, sondern auf Emotionsregulation (van Strien 2018). Und körperorientierte Ansätze zeigen erste positive Hinweise bei Emotionsregulation, Körperwahrnehmung und Essstörungssymptomen, bei noch begrenzter Studienqualität (Lucas et al. 2025).
Für uns bestätigt das, was wir in der Praxis sehen: Fokussieren wir das Essverhalten oder das Gewicht als Problem, scheitern wir mit der Lösung. Versuchen wir, die Lösung auf eine Methode (Verhaltenstherapie oder Ernährungscoaching) oder Ebene (Körper oder Psyche) zu beschränken, bewegt sich das Gesamtsystem nicht, sondern blockiert im Prozess.
Bei tief verankertem emotionalem Essen braucht es meist keinen weiteren Tipp, sondern einen Prozess. Und der beginnt nicht beim Verbot. 5 Schritte machen diesen Prozess aus, und einige davon kannst du schon selbst anstoßen.
1. Zuerst verstehen, was dein Essen aufrechterhält. Nicht mit der Lösung anfangen, sondern mit der Beobachtung. Wann entsteht der Essdrang? Was war davor? Was passiert körperlich, was emotional? Wie hast du an dem Tag gegessen und geschlafen? 2 Frauen können beide abends Schokolade essen und völlig verschiedene Gründe haben.
2. Den Körper versorgen. Wenn du über den Tag zu wenig isst oder aus jahrelanger Restriktion kommst, braucht dein Körper zuerst verlässliche Versorgung, bevor jede Regung psychologisch gedeutet wird. Ausreichend und regelmäßig zu essen nimmt vielen Essimpulsen die Wucht.
3. Die Funktion des Essens herausfinden. Was kompensiert das Essen? Was musst du in dem Moment kurz nicht fühlen? Was fehlt deinem System? Aus „Ich muss aufhören zu essen“ wird dann die hilfreichere Frage: „Was brauche ich gerade wirklich?“
4. Nicht nur über den Kopf arbeiten. Erkenntnis ist der Anfang, aber der Körper muss mitkommen. Ein körperlich eingeübtes Muster braucht meist auch eine körperlich und emotional erlebte neue Erfahrung. Das ist der Punkt, an dem Begleitung oft nötig wird, weil sich neue Beziehungserfahrungen schwer allein herstellen lassen.
5. Mit den Gefühlen unter dem Impuls arbeiten. Unter dem Essen liegen oft Wut, Traurigkeit, Angst, Einsamkeit oder Überforderung, manchmal ein Nein, das nie gesagt wurde. Es geht nicht darum, diese Gefühle schnell wegzuregulieren, sondern darum, wieder einen Umgang mit ihnen zu finden.
Wenn sich die Situation verändert, für die Essen vorher gebraucht wurde, brauchst du abends nicht mehr dieselbe Menge, um alles herunterzudämpfen.
Wenn sich die Situation verändert, für die Essen vorher gebraucht wurde, brauchst du abends nicht mehr dieselbe Menge, um alles herunterzudämpfen. Nicht, weil es dir jemand verboten hat, sondern weil der Grund kleiner geworden ist.
Chainless Woman ist nicht entstanden, weil wir viele Methoden in ein Coaching packen wollten, sondern weil wir über Jahre Frauen erlebt haben, bei denen eine einzelne Erklärung nicht gereicht hat. Ernährung allein war zu wenig. Nervensystemtools regulierten kurz, aber nicht nachhaltig. Psychologisches Verstehen allein war zu einseitig. Denn diese Ebenen existieren im echten Menschen nicht getrennt.
Um sichtbar zu machen, welche Bereiche bei dir zusammenspielen, nutzen wir den Happiness Code®, die Landkarte von Natascha Wilms aus 13 Lebens- und Gesundheitsbereichen, die dein Essverhalten beeinflussen können. Mit der Psychosoma Nutrition Methode, einem integrativen Ansatz, der Körper, Ernährung, Nervensystem, Psyche und Verhalten als ein zusammenhängendes System betrachtet, übersetzen wir das in einen individuellen Prozess. Bei einer Frau heißt das zuerst Versorgung stabilisieren, bei einer anderen Nervensystem, bei einer dritten Körperscham. Wir passen nicht die Frau an die Methode an. Wir erkennen zuerst die Frau und leiten daraus ab, was sie braucht.
Wie das über 6 Monate aussieht, erfährst du auf der Seite zum Chainless Woman Coaching .
Chainless Woman Coaching ansehenWenn du vor allem einen Ernährungsplan willst, brauchst du keinen mehrmonatigen integrativen Prozess. Wenn du grundsätzlich entspannt isst und nur eine unkomplizierte Gewichtsreduktion suchst, reicht ein klassisches Ernährungscoaching. Und wenn eine behandlungsbedürftige Essstörung oder eine andere psychische Erkrankung im Vordergrund steht, kann eine psychotherapeutische oder medizinische Behandlung nötig sein. Woran du den Übergang erkennst, liest du im Artikel Ist mein Essverhalten noch normal oder schon eine Essstörung?
Chainless Woman ist für Frauen, die sich in einem anderen Satz wiederfinden: „Ich weiß schon so viel, ich habe schon so viel probiert, aber meine Gedanken kreisen immer noch ums Essen.“ Für Frauen, bei denen Diäten, Kontrolle, emotionales Essen, Körperthemen und Stress seit Jahren ineinandergreifen.
Die vielleicht wichtigste Frage bei emotionalem Essen
Was passiert gerade in mir, dass Essen für mein System die beste verfügbare Lösung ist? Und was müsste sich verändern, damit ich diese Lösung irgendwann nicht mehr brauche?
Wenn du heute wieder den Impuls hast zu essen, könntest du dich fragen: „Wie verhindere ich, dass ich mich jetzt überesse?“ Langfristig ist eine andere Frage wichtiger: „Was passiert gerade in mir, dass Essen für mein System die beste verfügbare Lösung ist? Und was müsste sich verändern, damit ich diese Lösung irgendwann nicht mehr brauche?“
Genau dort beginnt unsere Arbeit. Nicht beim nächsten Verbot und nicht bei noch mehr Wissen, sondern bei deinem Körper, deinem Nervensystem, deinen Emotionen und deiner Versorgung.
Vielleicht hast du beim Lesen mehrmals gedacht: „Genau das kenne ich.“ Vielleicht verstehst du dein Essverhalten längst, weißt aber nicht, welcher Teil des Kreislaufs bei dir der entscheidende ist.
Genau dafür gibt es unser kostenloses Analysegespräch. Wir schauen mit dir auf:
Danach schätzen wir gemeinsam ein, ob Chainless Woman der richtige nächste Schritt für dich ist. Du musst dich nicht noch mehr zusammenreißen. Vielleicht ist es Zeit, wieder zu lernen, dich mit deinen Emotionen sicher zu fühlen, damit Essen das nicht mehr betäuben muss.
Kostenloses Analysegespräch für Chainless WomanTiefer in einzelne Geschichten dazu geht der Chainless Woman Podcast, unter anderem in den Folgen „Du weißt eigentlich … und isst trotzdem“, „Wenn Wut keinen Platz hat“ und „Nur ein Stück Schokolade und der Damm bricht“.
KOSTENLOS FÜR DICH
Noch tiefer einsteigen?
Im Podcast sprechen wir darüber, warum emotionales Essen selten nur mit Ernährung zu tun hat. Es geht um deinen Körper, deinen Stoffwechsel, dein Nervensystem, Beziehungen, Grenzen und die Muster, die dich bisher festgehalten haben.
Verstehe, warum du trotz all deines Wissens immer wieder beim Essen landest – und welche Prozesse hinter Heißhunger, Kontrollverlust und dem ständigen Kampf mit deinem Körper liegen können.
Essverhalten kann sich deutlich verändern. Unser Ziel bei Chainless Woman ist nicht, dass du nie wieder aus Genuss oder Trost isst. Entscheidend ist, dass Essen nicht mehr ständig eine Regulationsaufgabe übernehmen muss und du wieder eine echte Wahl hast.
Essen kann neben der körperlichen Versorgung weitere Funktionen übernehmen, zum Beispiel Beruhigung, Belohnung, Ablenkung oder kurzfristige Spannungsreduktion. Welche Funktion bei dir relevant ist, lässt sich nicht allein daraus ableiten, dass du ohne deutlichen Hunger isst.
Therapie kann sehr wirksam sein, gleichzeitig unterscheiden sich die Ansätze stark. Aus unserer Erfahrung gibt es Frauen, die ihre Muster kognitiv gut verstanden haben, während die körperlich-emotionalen Reaktionen bestehen bleiben. Dann kann es sinnvoll sein zu prüfen, welche Ebenen bisher wirklich bearbeitet wurden.
Nicht ausschließlich. Das Nervensystem ist an Stress, Emotionen, Körperwahrnehmung und automatisierten Reaktionen beteiligt und deshalb oft eine wichtige Ebene. Emotionales Essen nur darauf zu reduzieren wäre aber genauso verkürzt wie eine rein psychologische oder rein ernährungsbezogene Erklärung.
Bei manchen Menschen sind Schwierigkeiten mit Wut, Grenzen und emotionalem Ausdruck Teil des Musters. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen Emotionsunterdrückung und emotionalem Essen. Daraus folgt aber nicht, dass unterdrückte Wut bei jeder Person die Ursache ist.
Intuitives Essen kann ein wichtiger Baustein sein. Wenn Körpersignale nach jahrelangen Diäten schwer wahrnehmbar sind oder Essen eine starke Regulationsfunktion hat, reicht die Aufforderung, einfach nach Hunger und Sättigung zu essen, aus unserer Erfahrung häufig nicht aus, weil Hunger- und Sättigungssignale oft verfälscht sind.
Das hängt davon ab, was das Essverhalten bei dir aufrechterhält. Relevant können Energieversorgung, Stress, Nervensystem, Emotionen, Beziehungsmuster, Körperwahrnehmung, Restriktion und erlernte Verhaltensstrategien sein. Deshalb ist eine individuelle Analyse meist sinnvoller als eine pauschale Standardlösung.
Mendia, J. et al. (2026): Uncovering the association between broad emotional dysregulation and emotional eating: A meta-analysis. Appetite, 221, 108490. DOI: 10.1016/j.appet.2026.108490. 40 Studien, 14.481 Personen; moderater Zusammenhang (r = .34) zwischen Emotionsregulationsschwierigkeiten und emotionalem Essen, deutlich für negatives, nicht für positives emotionales Essen.
Power, D. et al. (2025): Emotional Eating Interventions for Adults Living With Overweight and Obesity: A Systematic Review and Meta-Analysis of Behaviour Change Techniques. Journal of Human Nutrition and Dietetics, 38(1). DOI: 10.1111/jhn.13410. 47 Studien, 6.729 Teilnehmende; psychologische Interventionen senkten emotionales Essen im Mittel, bei hoher Heterogenität und begrenzter Sicherheit der Evidenz.
van Strien, T. (2018): Causes of Emotional Eating and Matched Treatment of Obesity. Current Diabetes Reports, 18(6), 35. DOI: 10.1007/s11892-018-1000-x. Nennt hohe Restriktion, schwache Wahrnehmung körperlicher Signale, Alexithymie und Emotionsregulation als mögliche Faktoren; empfiehlt bei starkem emotionalem Essen Emotionsregulation statt kalorienreduzierter Diäten.
Aulbach, M. B., Knittle, K., Haukkala, A. (2019): Implicit process interventions in eating behaviour: a meta-analysis examining mediators and moderators. Health Psychology Review, 13(2), 179–208. DOI: 10.1080/17437199.2019.1571933.
Schwabe, L., Wolf, O. T. (2011): Stress-induced modulation of instrumental behavior: from goal-directed to habitual control of action. Behavioural Brain Research, 219(2), 321–328. DOI: 10.1016/j.bbr.2011.01.038.
Moberg, L. T., Solvang, B., Sæle, R. G., Myrvang, A. D. (2021): Effects of cognitive-behavioral and psychodynamic-interpersonal treatments for eating disorders: a meta-analytic inquiry. Journal of Eating Disorders, 9, 74. DOI: 10.1186/s40337-021-00430-8.
Lucas, G., Sin, J., Cini, E., Röhricht, F. (2025): Body-oriented therapies for the treatment of eating disorders: A systematic review. Complementary Therapies in Clinical Practice, 60, 101997. DOI: 10.1016/j.ctcp.2025.101997.
Faber, A., Dubé, L., Knäuper, B. (2018): Attachment and eating: A meta-analytic review of the relevance of attachment for unhealthy and healthy eating behaviors in the general population. Appetite, 123, 410–438. DOI: 10.1016/j.appet.2017.10.043.
Nader, P., Ghadieh, H. E., Abbas, N., Nahas, N. (2025): Attachment and Emotional Eating: A Scoping Review Uncovering Relational Roots to Inform Preventive Healthcare. Healthcare (Basel), 13(23), 3170. DOI: 10.3390/healthcare13233170.
Ferrer, R. A. et al. (2017): Emotion Suppression, Emotional Eating, and Eating Behavior Among Parent–Adolescent Dyads. Emotion, 17(7), 1052–1065. DOI: 10.1037/emo0000322.
Wolz, I., Biehl, S., Svaldi, J. (2021): Emotional reactivity, suppression of emotions and response inhibition in emotional eaters: A multi-method pilot study. Appetite, 161, 105142. DOI: 10.1016/j.appet.2021.105142.
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